Essaouira – Liebeserklärung an die „Stadt des Windes“

Ein Paradies für Surfer und Künstler

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Essaouira – „Stadt des Windes“, wie sie liebevoll genannt wird, Stadt der geheimnisvollen Gassen, Paradies für Surfer und aufstrebende Künstlerstadt. Hier verbrachte Musiker Jimi Hendrix 1969 seinen Sommer und lockte Hippies aus aller Welt an. Und auch heute noch ist die kleine Hafenstadt Treffpunkt der „Flower-Power-Generation“. Hartnäckig hält sich der Mythos, dass Hendrix hier „Castles made of Sand“ geschrieben hätte, aber dieser Song wurde bereits zwei Jahre vor dem Besuch des Musikers in Essaouira veröffentlicht. Doch das interessiert die Einheimischen nicht. Ihr Idol von damals ist auch heute noch allgegenwärtig.

Auch die Filmszene hat Essaouira schon für ihre Zwecke entdeckt. So diente die Stadt als Kulisse für Orson Welles’ Othello (1952), Ridley Scott’s Königreich der Himmel (2005) und Oliver Stone’s Epos Alexander (2004). Aber auch Teile von Game of Thrones wurden hier gedreht.

Zweifellos ist Essaouira – übersetzt: die Eingeschlossene – eine der schönsten Städte Marokkos. Hier donnert das Meer an die gewaltigen Festungsmauern, die einst von Portugiesen errichtet wurden, und auch in der UNESCO-geschützten Altstadt schmeckt die Luft nach Salz. Die Medina (Altstadt) Essaouiras ist weitaus übersichtlicher, als die Medina von Fès oder Marrakesch. Hier haben sich Berberstämme aus Südmarokko niedergelassen und betreiben munter ihre Geschäfte. Und hier sitzen Frauen an ihren Steinmühlen und mahlen die Frucht des in Marokko heimischen Arganbaumes, den Argansamen, aus dem anschließend das berühmte Arganöl hergestellt wird. „Weißes Gold“ nennen die Marokkaner das Öl. Die Produktion des Arganöls und anderer Kosmetik- und Speiseprodukte liegt fest in der Hand der marokkanischen Berberfrauen, die mittlerweile daraus ein großes Wirtschaftsunternehmen entwickelt haben. Das Unternehmen nennt sich „Cooperative Féminine d’huile d’argan Marjana“ und liegt nur zirka 20 km von Essaouira entfernt.

Im Innern der Medina ist es bunt. Indigoblaue Türen, safrangelbe Blusen und mohnrote Kleider, grüne und orange Lampen, gemusterte Teppiche und farbenfrohe Keramik. Essaouira ist die Stadt der Vielfalt. Sie ist das Zuhause der Maler, Töpfer und Musiker. Und der Lebenskünstler! Aber auch der Fischer. Denn direkt neben der Medina hinter der roten alten Festungsmauer, auf der heute noch die schweren Kanonenrohre aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen, liegt der Hafen. Dort taumeln zahlreiche Fischerboote im oftmals unruhigen Gewässer und warten darauf, ins Meer hinauszufahren. Doch nicht nur kleine Boote sind hier zu sehen. Hier gibt es auch große Holzschiffe, die in der Werft vor Ort noch von Hand gebaut oder renoviert werden.

Fischerboote am Hafen

Schon früh am Morgen machen sich die Fischer in ihren blauen Booten auf den Weg, um Fisch und Meeresfrüchte für die Auktion zu fangen. Ein paar Stunden später kehren sie zurück, begleitet von kreischenden Möwen, die darauf hoffen, dass etwas für sie abfällt. Doch nicht nur die Vögel sind erpicht darauf, etwas von dem Fang zu bekommen. Am Hafen warten bereits Hausfrauen, Restaurantbesitzer und Fischhändler, die schon am Kai laut um die besten Fische feilschen. Direkt neben dem Hafen stehen kleine Fischrestaurants, die nach der Auktion ihre soeben gekauften Waren ausstellen. Und gegen Mittag lockt der Duft von frisch gegrilltem Fisch die Hungrigen an.

Auch am Platz Moulay el-Hassan – ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Hafens – pulsiert das Leben. Kleine Straßencafés und Restaurants sind der Treffpunkt von Jung und Alt. Straßenmusiker und Akrobaten, Künstler und Straßenverkäufer – hier ist alles vertreten.

Unweit des Hafens liegt der Strand. Meist ist es windig in Essaouira. Ein Grund, warum sich diese Stadt zum angesagtesten Kite- und Wind-Surfspot Marokkos entwickelt hat. Abseits des offiziellen Badestrandes beginnt das Eldorado der Surfer, die hier über die Schaumkronen der Wellen reiten und ihre bunten Surfsegel in der Sonne leuchten lassen. Die Windbedingungen seien unübertrefflich, sagen die Surflehrer. Der weite Strand biete viel Raum zum Starten und Ankommen, sagen die Surfer.

Während im Meer entlang der einsamen Dünen die Wassersportler auf ihre Kosten kommen, gibt es für diejenigen, die sich lieber auf dem Land aufhalten, eine andere Möglichkeit der Fortbewegung. Denn nicht nur in der Sahara werden Kameltouren angeboten, sondern auch hier in der Nähe von Essaouira. Nach einer kurzen Fahrt mit dem Auto des Guides zu den Kamelen, die etwas außerhalb der Stadt am Strand warten, beginnt die zweistündige Wanderung entlang des Ufers, dann über die Dünen vorbei am ehemaligen Sommerhaus von Jimi Hendrix bis nach Diabat, wo die Reiter anschließend zu einem Glas marokkanischen Minztee eingeladen werden – natürlich in dem angeblichen Stammlokal des Musikers. Dann geht es zurück. Die Kamele laufen gemütlich hintereinander her und der Sonnenuntergang auf dem Rückweg gemeinsam mit dem Rauschen des Meeres machen den Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis. Neben den zweistündigen Touren gibt es auch längere Ausflüge. So kann man eine Halb- oder Ganztagestour mit Essen oder sogar einen mehrtägigen Trip inklusive Camping unternehmen.

Zurück in der Medina ertönt täglich morgens, mittags und abends, das Gebet aus den zahlreichen Lautsprechern der Stadt. Verhüllte Frauen, Männer im Kaftan halten dann inne und lauschen bis das blecherne, gesangsähnliche Geräusch verklingt. Der Weg führt vorbei an den Musikern, den Obstverkäufern und Souks (Basaren) zum Teppich- und Bekleidungsgeschäft von Said Semlal in der Ave. Sidi Mohammed. Er ist Beduine und kommt nur für wenige Wochen nach Essaouira ehe er zurück in die Sahara zu seinem Stamm kehrt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sowohl mit Kameltouren durch die Sahara, die er für Touristen anbietet, als auch mit dem Verkauf von Kamelhaar-Teppichen. Denn einmal im Jahr, so sagt er, werden die Kamele geschoren. Daraus stellen er und seine Stammesmitglieder Teppiche her und lassen sie nach Essaouira zu seinem Laden bringen, wo sie verkauft werden. Said ist 35 Jahre alt und Beduine mit Leib und Seele. In seinem wallenden Gewand und seinem Turban wirkt er wie eine Märchenfigur aus 1001 Nacht.  Er liebt die Einsamkeit der Wüste und das Umherziehen ohne festen Standort. Ob er denn selbst einmal plane, eine Familie zu gründen? „Inschallah“ (so Gott will). Ich liebe meine Freiheit sehr“, meint er. „Darum kann ich nicht sagen, ob ich jemals eine Familie haben werde“, fügt er hinzu. Früher war jeder zweite Marokkaner Beduine. Heute sind es nur noch zwei Prozent.

Es wird Nacht in Essaouira. Die langsam einkehrende Dunkelheit verleiht der Stadt ein geheimnisvolles Licht. Noch immer sind die Verkäufer in den Basaren eifrig damit beschäftigt, Kaufinteressenten in ihre Läden zu ziehen. Es wird gefeilscht, gelockt, geboten. Kerzen und Lampen leuchten schwach in den kleinen Geschäften, Bettler bitten um ein paar Dirham, verschleierte Frauen handeln an den Obst- und Gemüseständen, ein älterer Mann auf einem noch älteren Motorrad, das mit vielen Gasflaschen beladen ist, drängt sich durch die schmalen Gassen und eine Katzenmama mit ihren Babys liegt unter einem Stuhl und schläft. Es duftet nach süßem Gebäck, nach Minztee und nach Koriander. Aber es riecht auch nach Staub, nach Meer und nach altem Gemäuer.

Wer einmal hierher kommt, kehrt immer wieder zurück, heißt es. „Du auch?“, fragt der kleine Junge, der sich über zwei Dirham freut, die im zugesteckt wurden.
„Inschallah, mein Freund. Inschallah!“

Adressen:

Kamelreiten in Essaouira
Les Randos des Dunes Essaouira
Tel.: +212 (0)672 668993 oder +212 (0)642 011690
Email: mogador@rando-dunes.com
Webseite: www.rando-dunes.com

Sahara Kamelreiten
Said Semlal
Rue el Hamri Nr. 12
Erfoud
Erracgidia
Marokko
Tel: +212 (0)629 004414
Webseite: www.moroccodays.es

Cooperative Féminine d’huile d’argan Marjana
Qunagha – Essaouira
Tel.: +212 (0) 664 698782
Email: marjanacoop@gmail.com
Webseite: www.coopmarjana.com


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