Eine Wunderfrucht gegen Falten und Rheuma

Die Ladies-Kooperation aus Marjana

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Sie nennen es das „weiße Gold“ Marokkos. Produziert wird diese wertvolle Essenz aus der Frucht eines ganz bestimmten Baumes, der seit 80 Millionen Jahren in Marokko wächst. Er kann zwischen 250 und 400 Jahre alt werden und ist außerdem in der Lage, große Trockenheit und hohe Temperaturen bis über 50 °C zu überstehen, weswegen man ihn gerne dazu nutzt, die Wüstenbildung aufzuhalten. Außerdem kann er in Höhenlagen von bis zu 1300 Metern gedeihen. Seine Früchte ähneln frischen Datteln. Getrocknet erinnern Sie an Oliven. Die Schale des Kernes ist 15 Mal härter als die einer Haselnuss. Die Rede ist vom Arganbaum. Ein wahrer Wunderbaum, möchte man meinen. Und so ist es auch. Denn seine Früchte und Blätter werden als Futter für die Ziegen verwendet, sein Holz dient den Marokkanern als Feuerholz und die Kerne der Frucht finden in der Herstellung von medizinischen sowie kosmetischen Produkten Nutzen. So soll das aus den Argankernen hergestellte Arganöl Rheuma oder Narben heilen. Außerdem reduziert es Cholesterol und soll Arteriosklerose verhindern. Auch im kosmetischen Bereich werden dem Arganöl Wunder nachgesagt. So wird es gerne als Anti-Faltenmittel eingesetzt. Die UNESCO hat 1998 den Arganwald im Südwesten Marokkos sogar zum Biosphärenreservat und Weltnaturerbe erklärt.

Die Produktion des Arganöls, der Arganseifen, des Arganshampoos und der -cremes sowie der -speiseöle und des Amlou (Anm. d. Redakton: es wird das marokkanische Nutella genannt) liegt fest in der Hand der marokkanischen Berberfrauen, die mittlerweile ein großes Wirtschaftsunternehmen daraus entwickelt haben.

Das Unternehmen nennt sich „Cooperative Féminine d’huile d’argan Marjana“ und wir haben es besucht und uns die Herstellung des Öls zeigen lassen. Hier arbeiten 25 Frauen, die dieser 2005 gegründeten Kooperation angehören. Es gibt aber noch weitere Kooperationen zwischen Essaouira und Marrakesch, für die insgesamt über 2000 Frauen arbeiten.

Eine der Frauen begrüßt uns bereits am Parkplatz und führt uns in den Vorführ- und Produktionsraum. Dort empfängt uns ein nussiger, leicht moschusartiger und etwas rauchiger Geruch. Er ist angenehm. Auf dem Boden sitzen die Arganladies, um uns die  einzelnen Schritte zur Herstellung des Arganöls zu demonstrieren.

Die Produktion ist sehr aufwändig und beginnt nach der Ernte der Früchte. Oft hört man, dass die von den Ziegen gefressenen und wieder ausgeschiedenen Kerne ebenfalls zur Ölproduktion verwendet werden, doch das verneinen die „Argan-Ladies“ entschieden, da diese aufgrund der sich im Ziegenkörper befindenden Gase Allergien beim Menschen auslösen könnten.

Die Produktion ist in mehrere Produktionsstufen unterteilt.

Im ersten Schritt  müssen die harten Kerne von Hand aufgeklopft werden und zwar so, dass die Samenkapseln im Inneren nicht verletzt werden. Denn werden die Samenkapseln, die auch „Mandeln“ genannt werden, verletzt, wird das Arganöl in seiner Haltbarkeit eingeschränkt und fängt dann tatsächlich an, schlecht zu werden und unangenehm zu riechen. Für diese Arbeit ist viel Erfahrung erforderlich, die die Frauen der Kooperation mitbringen. Sie erklären uns, dass für einen Liter Arganöl 30 Kilogramm Früchte benötigt werden. Diese Tatsache zusammen mit der zeitintensiven Herstellung rechtfertigt den relativ hohen Preis für die Produkte.

Anschließend werden die Argansamen von Hand in einer Stein- oder Metallmühle zermahlen. Unter Zugabe von abgekochtem Wasser wird dann das gewonnene Mandel-Mus zu einem Brei, der so lange gerührt und geknetet wird, bis das feine Öl in einem kleinen Rinnsal aus der Masse austritt. Dieses Öl wird später durch weitere Filterprozesse gereinigt.

Es gibt sowohl Öl aus gerösteten Samen, wie auch Öl aus ungerösteten Samen. Das Öl der gerösteten Samen wird gerne als Salatöl verwendet, da es geschmacksintensiver ist.

„Was sagen eigentlich die marokkanischen Männer dazu, wenn Frauen so ein erfolgreiches Unternehmen gründen?“, fragen wir Hassan, ein Mann, den wir später zufällig in der Medina Essaouiras treffen. Auch seine Frau hilft bei der Produktion mit.
„Die Herstellung von Arganöl war und ist reine Frauensache. So haben wir das immer schon gesehen. Dann kam der Erfolg und manch einer von uns wurde kurzzeitig etwas skeptisch. Aber warum sollen unsere Frauen nicht Erfolg mit ihrem Unternehmen haben? Wir jedenfalls haben alle davon profitiert, denn das Geld, das sie verdienen, fließt ja in die gemeinsame Kasse.“

Adresse:
Cooperative Féminine d’huile d’argan Marjana
Qunagha – Essaouira
Tel.: +212 (0) 664 698782
Email: marjanacoop@gmail.com
Webseite: www.coopmarjana.com


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